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Eine Delegation von Bündnis 90/Die Grünen des Kreisverbandes Osnabrück-Land hat die Tischlerei Vielstädte in Ostercappeln besucht, die vor kurzem vom Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen-Bremen als "Tischlerei des Jahres 2005" ausgezeichnet wurde.
Jutta und Matthias Vielstädte empfingen neben Bürgermeister Ellermann den grünen Kreistagsabgeordneten Dr. Joachim Lücht, Kreistagsgeschäftsführerin Ingrid Cremer, Christine Sollmann vom Ortsverband Bad Essen, die Landtagsabgeordnete Filiz Polat und die frisch gewählte Bundestagskandidatin der Grünen Silke Meier in ihrem Betrieb.
Nach einer Führung durch den Handwerksbetrieb sollte vor allem der Denkmalschutz im Mittelpunkt des Gespräches stehen.
Die Tischlerei Vielstädte aus Ostercappeln/Hitzhausen bekam die Auszeichnung vor allem wegen der besonderen Kompetenz in diesem Bereich. Sie ist darüber hinaus die einzige Tischlerei in Niedersachsen, die sich als "Fachbetrieb für historische Fenster" qualifiziert hat und im selbst gegründeten Kompetenzverbund Denkmalschutz mit etablierten Handwerksbetrieben aus verschiedenen Fachrichtungen eng zusammen arbeitet.
Die Landtagsabgeordnete Filiz Polat, die im niedersächsischen Landtag für den Bereich Denkmalschutz- und pflege zuständig ist beklagte, dass der Denkmalschutz in Niedersachsen sträflich vernachlässigt würde. "Unsere Städte und Dörfer gewinnen ihre Identität ganz wesentlich aus ihrer Geschichte und aus der Pflege ihres baukulturellen Erbes", so die Abgeordnete.
Das konnten Bürgermeister Ellermann und Handwerksmeister Vielstädte nur bestätigen und verwiesen auf die "Alte Vikarie" im Ortskern der Ortschaft Ostercappeln. Das denkmalgeschützte Gebäude in unmittelbarer Nähe zur St. Lambertus Kirche ist nachweislich das älteste Wohnhaus Ostercappelns und damit natürlich auch von außerordentlich hoher Bedeutung. Deshalb habe die Gemeinde das Grundstück mit samt dem verfallenen Gebäude aufgekauft und mit Mithilfe einer Vielzahl von Förderstellen den Erhalt und die Sanierung sicher stellen können.
"Das staatliche Engagement von Denkmalschutz hat daneben aber auch einen weiteren positiven Nebeneffekt", so Silke Meier. "Dieser Bereich ist sehr beschäftigungsintensiv. Deshalb ist die Förderung von Denkmalschutz ein wichtiger Beschäftigungsfaktor insbesondere für das regionale Handwerk."
Deutlich wurde auch, das private Denkmaleigentümer steuerliche Vorteile geltend machen können, dass diese aber die besonderen finanziellen Aufwendungen mit dem Denkmal nicht ausgleichen. Vielstädte schlug deshalb vor, alternative Wege zur Stärkung der finanziellen Förderung von privatem Engagement im Denkmalschutz zu gehen, beispielsweise durch die Senkung der Mehrwertsteuer in diesem Bereich.
Hervorgehoben wurde, dass bereits in der Schulbildung Kenntnisse über die Baugeschichte und die Baudenkmale der eigenen Stadt vermittelt werden sollte.
"Das stärkt das Heimatgefühl und die Identifikation mit Bau- und Stadtkultur", so Kreistagsabgeordneter Dr. Joachim Lücht.
Die Landtagsabgeordnete Filiz Polat verwies zum Abschluss der Diskussion auf den jüngst eingebrachten Antrag der grünen Landtagsfraktion zur Förderung der Baukultur, der aber seitens der CDU-FDP-Mehrheit im Landtag abgelehnt wurde und auf die Aktion "denkmal aktiv" der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, bei der SchülerInnen durch praktische Unterrichtserfahrungen an Denkmalschutz und kulturelle Wurzeln heran geführt werden sollen.
Einig waren sich alle zum Ende des Besuches: Alte Häuser brauchen Liebe und sie sind Handarbeit, aber gerade das macht sie so kostbar und lebendig für unsere historisch gewachsenen Städte und Dörfer, die es zu erhalten gilt.