Filiz Polat, MdL

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15. Januar 2008

Ein Berufsstand verschwindet: Massive Engpässe landesweit in der Schulpsychologie

Filiz Polat fordert: Statt das Jugendstrafrecht zu verschärfen brauchen wir eine seriöse Präventionspolitik

Die Landtagsabgeordnete Filiz Polat aus Bramsche erklärte nach ihrem Treffen mit dem  Verband Niedersächsischer Schulpsychologen Region Osnabrück: "Wer wie Herr Wulff als CDU-Vize zwar eine Absenkung der Strafmündigkeitsaltersgrenze ablehnt aber im Übrigen die Verschärfung des Jugendstrafrechts nachdrücklich fordert und gleichzeitig den sukzessiven Abbau der Schulpsychologie forciert, dem spreche ich jegliche Glaubwürdigkeit ab. Parolen helfen nicht, nur seriöse Präventionspolitik."

Landesweit ist die Zahl der Schulpsychologen von 89 im Jahr 2000 auf derzeit 50 gesunken. Nach den weiteren Planungen soll sie im Laufe des Jahres 2008 auf nur noch 40 reduziert werden. Der Raum Osnabrück ist von der Kürzungspolitik besonders betroffen. 1998 arbeiteten noch fünf Schulpsychologen in Stadt und Landkreis Osnabrück. Im Jahr 2008 wird es nur noch einen Schulpsychologen geben.

Eckehardt Piepenbrink, voraussichtlich letzter Schulpsychologe im Raum Osnabrück, erläuterte der Abgeordneten Polat, dass er schon heute über 100 Schulen betreuen müsse und einige Bereiche im Osnabrücker Raum nicht mehr abgedeckt werden könnten, so zum Beispiel auch der Wahlkreis des CDU-Spitzenkandidaten und amtierenden Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Dr. Lutz Thomas, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht, pflichtete seinem Kollegen bei: "Es ist in der Debatte um jugendliche Intensivtäter verwunderlich, dass es trotz dramatischer Amokläufe in Erfurt und Emsdetten, bei denen nicht genug Psychologen vor Ort sein konnten, und einer immer größer werdenden Last an Schülerkonflikten, Mobbing-Vorfällen und Verhaltensstörungen für die Schulen weiter 'sparen' heißt und die erfahrenen Schulpsychologen schrittweise durch Beratungslehrer und Sozialpädagogen ersetzt werden sollen."

Im Vergleich der Bundesländer gebe es in Niedersachsen offensichtlich die Tendenz, die rote Laterne übernehmen zu wollen. Nach Planungen der Landesregierung solle das Verhältnis Schulpsychologen zu Schülern in Niedersachsen zukünftig bei 1:30.000 liegen. Der Durchschnitt der Bundesländer liege bei 1:16.000, so Filiz Polat.

Die grüne Landtagsfraktion hatte bereits in einer Kleinen Anfrage im Jahr 2004 auf die Situation der Schulpsychologen in Niedersachsen und die eklatante Lage im Raum Osnabrück hingewiesen. 

Filiz Polat unterstütze daher die Forderung des Verbandes, auf den alten Stand in der Schulpsychologie zu kommen und die Schulpsychologen in das längst überfällige Konzept für ein pädagogisch–psychologisches Beratungs- und Unterstützungssystem der Eigenverantwortlichen Schule zu integrieren.

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