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Wie definieren sie Krieg?
Es gibt verschiedene Formen von Krieg. Der "klassische" Krieg ist sicherlich der des bewaffneten organisierten Konflikts zwischen zwei Staaten, zwischen einer Befreiungsbewegung und einer Kolonialmacht oder zwischen sozialen Gruppen der Bevölkerung eines Staates (Bürgerkriege). Nach dem Ost-West-Konflikt gingen viele Experten u.a. viele Gesellschaftstheoretiker davon aus, dass Krieg von da an der Vergangenheit angehören würde. Ein Trugschluss wie sich gezeigt hat. Denn was zu Ende ging, war die Ära des eben erwähnten klassischen zwischenstaatlichen Krieges, nicht des Krieges generell. Der Krieg hat seine Erscheinungsform gewechselt. An die Stelle des Krieges zwischen regulären Armeen zweier Staaten, die sich bekämpfen, um die Kapitulation des jeweilig anderen zu erzwingen, ist ein diffuses Bild unterschiedlicher Gewaltakteure getreten, dass von Interventionskräften mit UN-Mandat bis zu lokalen Warlords reicht.
Wozu werden ihrer Meinung nach Kriege geführt?
Die Gründe für Kriege sind vielfältig. In den meisten Fällen geht es um Machterlangung oder –erhalt für ein bestimmtes politisches System, über ein bestimmtes geostrategisch wertvolles Gebiet oder aber um die knappen Ressourcen in unserer Welt wie Wasser oder Öl.
Für welche Ziele würden sie persönlich Krieg legitimieren?
Wo ein Staat seine Bürgerinnen und Bürger vor Völkermord oder schwersten Menschrechtsverletzungen nicht schützen kann oder will, stehen die VN (Vereinten Nationen) in der Verantwortung und sind als einzige aus meiner Sicht legitimiert, über die Ausgestaltung eines Mandats und die Mittel zu entscheiden. Allerdings ist die Schutzverantwortung zuerst eine Verantwortung zu Prävention und sollte weder ein Automatismus zur humanitären Intervention noch ein Freibrief zum Krieg sein. Für mich sind die Vereinten Nationen der zentrale Bezugsrahmen einer internationalen Ordnung. Denn nur dort sind alle Regionen und nahezu alle Staaten und Völker vertreten. Das verleiht ihr diese hohe Legitimität. Nichtsdestotrotz müssen an bestimmten Punkten auch die VN reformiert werden. Denn in einer Weltgesellschaft sollte nicht das Recht des Stärkeren, sondern die Stärke des Rechts regieren.
Welche positiven Aspekte gibt es für Sie an Krieg?
Es gibt nichts Positives an Krieg. Denn schon die Entscheidung Krieg zu führen, ist gleichzeitig das Eingestehen des Versagens einer zivilen Krisenprävention.
Wie wichtig ist für sie der Frieden?
Wir leben alle in der Einen Welt, auch wenn wir in unterschiedlichen Welten aufwachsen. Deshalb haben wir alle gemeinsam eine Verantwortung für diese Eine Welt. Denn gerade "wir" sind es auf Grund unserer Lebensweise, die verantwortlich sind für Klimawandel, Hungersnöte, Kinderarbeit und Ressourcenkonflikte in anderen Ländern. Also für das, was oft Ursache für Krieg ist. Ich bin schon sehr früh politisch aktiv geworden, um Verantwortung zu übernehmen, um diese Ursachen von Krieg zu bekämpfen - vielleicht ein kleiner Beitrag Frieden zu schaffen. Als Europapolitikerin kämpfe ich beispielsweise für eine starke Europäische Union als globale Akteurin, die bei den Menschrechten vorangeht, zur Vorreiterin beim Klimaschutz und bei der Umsetzung der Entwicklungsziele der VN wird und für den Frieden in der Welt eintritt. Innerhalb der Europäischen Union haben wir es geschafft Frieden zu schaffen. Allerdings müssen wir dafür arbeiten, dass die EU sich nicht abschottet und nicht durch eine falsche Handelspolitik Verursacherin von Krisen wird.
Inwieweit wurden sie schon einmal mit Krieg konfrontiert?
Eigentlich kann ich sagen, dass ich tagtäglich mit Krieg indirekt konfrontiert werde. Als flüchtlingspolitische Sprecherin meiner Fraktion treffe ich viele Menschen, die aus ihren Ländern auf Grund von Verfolgung geflohen sind und in Deutschland eine neue Heimat suchen. Ich versuche meinen Beitrag zu leisten, um diesen Menschen eine Stimme im Parlament zu geben. Denn leider haben diese Menschen oft trotz ihrer schrecklichen traumatischen Erlebnisse keine Rechte in diesem Land.
Inwiefern wurde Ihr nachfolgendes Leben davon beeinflusst?
Mein Fell ist dicker geworden. Ich erlebe bei meiner politischen Arbeit so viel Unrecht in unserem Rechtsstaat. Man denkt, es sollte doch selbstverständlich sein, dass ein junger Mensch eine Ausbildung machen darf, aber es wird ihm/ihr verboten. Man trifft Minderjährige, die in Abschiebehaft kommen und wie Kriminelle behandelt werden, nur weil sie aus ihrem Land geflohen sind. Das macht einen härter, denn diese Menschen brauchen eine Lobby in diesem Land.