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Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Der niedersächsische Landtag stellt fest:
Der Landtag begrüßt die UN-Kampagne "No Excuse - 2015" ("Keine Ausrede - 2015"), um die Ziele der Millenniums-Erklärung in den Medien und der Öffentlichkeit bekannter zu machen. Denn die Bürgerinnen und Bürger sind in der Deklaration ausdrücklich gewünschte Akteure.
Der Landtag unterstützt die UN-Millenniumsentwicklungsziele und wird im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beitragen, sich an diesen Zielen zu orientieren.
Außerdem fordern wir die Landesregierung auf:
Begründung
Auf der 55. Generalversammlung der UNO wurde ein konkreter Maßnahmenkatalog mit Ziel- und Zeitangaben verabschiedet, dabei verpflichteten sich die Einzelstaaten zum Erreichen der Ziele. Konkret wurden acht Millenniumsentwicklungsziele (MDGs) bestimmt. Unter anderem ist in den Zielen festgelegt, dass der Anteil der an Armut und Hunger leidenden Menschen in der Welt bis 2015 halbiert werden soll. Die Bildungschancen sollten weltweit deutlich erhöht werden. Weitere Ziele sind die Gleichstellung der Geschlechter, die Senkung der Kindersterblichkeit, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung insbesondere während Schwangerschaft und Geburt, die Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie AIDS oder Malaria, eine nachhaltige Umwelt und nicht zuletzt eine globale Partnerschaft. Diese acht Millenniumsentwicklungsziele werden durch 21 Zielvorgaben weiter konkretisiert.
Die Bestandsaufnahme 10 Jahre nach der Deklaration bei der UN-Konferenz in New York hat gezeigt, dass der Erfolg regional ungleich verteilt und meist noch nicht nachhaltig ist. Ein Erreichen der Ziele bis 2015 erscheint nicht überall realistisch. Umso mehr gelten die Worte von Kofi Annan, dem ehemaligen UN-Generalsekretär: "Die Millenniumsentwicklungsziele werden nicht bei den UN erreicht. Sie müssen in jedem einzelnen Mitgliedsstaat der Vereinten Nationen durch die gemeinsamen Anstrengungen der Regierungen und Menschen verwirklicht werden."
Auch Deutschland hat sich verpflichtet zum Erreichen der MDGs beizutragen. Auf der Ministerpräsidentenkonferenz im Oktober 2008 wurde die Verantwortung der Bundesländer betont und es wurden acht Kernkompetenzen und Handlungsfelder für das Engagement der Länder festgelegt. So waren sich die Ministerpräsidenten einig, ihre Kompetenzen komplementär zum Bund und der internationalen Gemeinschaft einzusetzen und damit zum Erreichen der MDGs beizutragen. Vor allem die Aktivitäten mit Partnerländern sollten intensiv ausgebaut werden. Bereits in den Jahren 1988, 1994 und 1998 gab es Beschlüsse der Ministerpräsidenten die sich auf folgende Schwerpunkte in der Entwicklungsunterstützung festlegten: Aus- und Fortbildung von Fachkräften vor Ort und im Inland, personelle Hilfe, Durchführung von Projekten in Entwicklungsländern und entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit. Diese Schwerpunkte finden sich im Beschluss von 2008 nicht wieder, obwohl gerade der Punkt der Bildungsarbeit Kompetenz der Länder ist und damit komplementär zu Bund und internationaler Gemeinschaft erfüllt werden könnte.
Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler forderte die Bundesländer in einer Rede auf der 2. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik im Jahr 2009 dazu auf, sich mehr und intensiver an der Entwicklungszusammenarbeit zu beteiligen. Er forderte die Bundesländer auf, Länderpartnerschaften mit mehr Nachdruck und Intensität aufzubauen und zu fördern. Als positives und vorbildliches Beispiel nannte er die Partnerschaft von Rheinland-Pfalz mit Ruanda. Der ehemalige Ministerpräsident Christian Wulff unterstützte diese Forderung und kündigte eine Partnerschaft zwischen Niedersachsen und Tansania an. Die Etablierung dieser Partnerschaft "auf Augenhöhe" scheiterte an fehlendem politischen Willen und der Kürzung der Mittel.
Um eine Partnerschaft nach dem Vorbild Rheinland-Pfalz zu erreichen, eignet es sich, die bereits bestehende Partnerschaft zu Eastern Cape weiter auszubauen. Diese Partnerschaft existiert seit 1995 und so könnten lange bestehende Strukturen genutzt und weiter ausgebaut werden.
Die Studie "Kommunale Entwicklungspolitik in Deutschland" des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) aus dem Jahr 2009 belegt, dass die Kommunen in der Lage sind in mehreren Bereichen einen erfolgreichen Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit zu leisten. Die Kommunen können mit ihren Kompetenzen die deutsche Entwicklungspolitik wirkungsvoll ergänzen und damit auch einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der MDGs leisten.
Ein positives Beispiel für den Beitrag der Kommunen zur Entwicklungszusammenarbeit ist die Möglichkeit sich als Fair-Trade-Kommune zu bewerben. Indem Kommunen ihr Beschaffungswesen auf Fair-Trade-Produkte umstellen tragen sie in einem wichtigen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zur Verbesserung der Lebensumstände in den Entwicklungsländern bei, so kann Niedersachsen seinen eigenen Anforderungen in der Entwicklungszusammenarbeit gerecht werden und Einfluss nehmen auf das Marktgeschehen.
Politikkohärenz zu berücksichtigen ist in allen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit von großer Bedeutung. Vor allem im Bereich der Agrarsubventionen werden oft Schäden in den Entwicklungsländern angerichtet. So zerstören beispielsweise Hühnerfleisch-Importe aus Europa und den USA die Geflügelproduktion in den betroffenen afrikanischen Ländern und konterkarieren damit die Ziele entwicklungspolitischer Zusammenarbeit. Diese Exporte verzerren den Markt, zerstören Arbeitsplätze und die Einkommen der lokalen Produzenten.
Die Kampagne "Deine Stimme gegen Armut" ist die deutsche Version der internationalen Kampagne "Global Call to Action Against Poverty", die die Ziele der Armutsbekämpfung der breiten Bevölkerung aufzeigen soll und zum Engagement aufruft.
Eine Studie von Germanwatch (Juni 2011) belegt die Tendenz, dass die Bundesländer immer weniger bereit sind Angaben im Bereich der Aufschlüsselung der Leistungen und der Informations- und Bildungsarbeit zu erheben. Diese Daten sind dadurch nicht mehr verfügbar.
Gabriele Heinen -Kljajic
Parlamentarische Geschäftsführerin