

Kritik an dem von der Landesregierung vorgestellten bildungspolitischen Modellprojekt für ausländische Schüler kommt von den Landtagsgrünen. Die migrationspolitische Sprecherin Filiz Polat sagte: "Das jetzt von der Landesregierung vorgestellte Modellprojekt zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg fällt viel zu klein aus. Minister Schünemann will sich mit einem Projekt, das ihn schlappe 50.000 Euro kostet, von seinen Versäumnissen billig freikaufen und als Integrationsminister feiern lassen. Bei 6.400 ausländischen Schulabsolventen erreicht das Projekt nur 105 der Jugendlichen, das sind lediglich 1,6 Prozent." Als "harter Hund" hätte Schünemann die Bildung und Qualifizierung von MigrantInnen vernachlässigt, jetzt möchte er als Kuschel-Wauwau gestreichelt werden. Dafür würde sein Projekt nicht ausreichen.
Die Grünen-Politkerin erinnerte daran, dass nur 2,7 Prozent der Jugendlichen, die eine Berufsausbildung abschließen, und sogar nur 2,1 Prozent der Schüler, die in Niedersachsen die Hochschulreife erlangen, eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen; bei den Schulabgängern ohne Abschluss betrage jedoch ihr Anteil 18,9 Prozent. Das Problem liege im Bildungssystem, nicht bei den Jugendlichen. Insbesondere ausländische Schülerinnen würden in diesem System aussortiert. Angesichts dieser zunehmenden Aussortierung in die Förderschulen herrsche bei den Eltern der ausländischen Schüler eine schlechte Stimmung. 14 Prozent der ausländischen Schülerinnen und Schüler besuchten im Jahr 2006 im 5. Schuljahrgang eine Förderschule. Dieser Prozentsatz ist mehr als doppelt so hoch als bei der gesamten Schülerschaft.
"Man ist enttäuscht, dass die mitgebrachten Kenntnisse und Fähigkeiten in Niedersachsen nicht anerkannt und honoriert werden. Davon will Herr Schünemann aber nichts wissen, weil er als Abschiebeminister kein offenes Ohr für die Migranten hat", sagte Polat. Nicht nur das sture Festhalten am dreigliedrigen Schulsystem habe zu den "desaströsen Ergebnissen" geführt. Auch 19 Prozent weniger Förderstunden pro Schüler als im Jahr 2004 sowie die Reduzierung der Mittel für Sprachförderung in den Kitas von 7,2 Mio. Euro auf 6 Mio. Euro trügen zur schlechten Bildungslage bei.