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2. Juni 2008

Monatliche Kolumne von Filiz Polat in der IMAJ, Juni 2008

Dialog der Religionen und islamischer Religionsunterricht in Niedersachsen

Der Niedersächsische Minister für Inneres, Sport und Integration, Uwe Schünemann, hat einen Beraterkreis "Integration von Muslimen" berufen. Grund dafür ist, dass Minister Schünemann die Bedürfnisse der großen Mehrheit der nichtorganisierten Muslime angemessen wahrnehmen möchte. Laut Innenministerium seien dies in Niedersachsen rund 180.000 Muslime. Der Minister betonte, dass es eine innen- und integrationspolitische Notwendigkeit ist, mit jenen Kräften des Islams zu sprechen, die bewusst den säkularen Staat respektieren und für diesen eintreten. Für mich stellen sich vor diesem Hintergrund drei Fragen: Wer sind die Personen, die nun in dem neuen Beraterkreis des Ministers vertreten sind und die nichtorganisierten Muslime repräsentieren und für einen säkularen Staat eintreten sollen? Welche Ziele und Aufgaben werden mit dem Beraterkreis "Integration von Muslimen" verfolgt und welches Signal wird dabei an die SCHURA gesendet, die am Runden Tisch zur Vorbereitung und Begleitung des Schulversuchs "Islamischer Religionsunterricht" sitzen, welcher derzeit an 21 Grundschulen in Niedersachsen durchgeführt wird? Zur ersten Frage kann man zunächst feststellen, dass alle berufenen Fachleute aus den Bereichen Wissenschaft und Journalismus stammen. Es sind beispielsweise vertreten: Dr. Necla Kelek, promovierte deutsche Sozialwissenschaftlerin und Frauenrechtlerin (tscherkessischer  Abstammung). Lamya Kaddor, deutsche muslimische Religionspädagogin (syrischer Herkunft), die seit 2006/07 vom Land Niedersachsen mit der islamdidaktischen Fortbildung für die Lehrkräfte des Schulversuchs "Islamischer Religionsunterricht" beauftragt ist. Prof. Dr. Tilman Nagel, deutscher Orientalist und Islamwissenschaftler. Dr. Dursun Tan, promovierter Diplom-Sozialwissenschaftler sowie Sozialpädagoge und Sozialarbeiter alevitischen Glaubens mit türkischem Migrationshintergrund und seit kurzem tätig bei der Stadt Hannover als Fachberater für Kindertagesstätten. Ohne alle Biografien der Fachleute und deren unterschiedliche Glaubensausprägungen zum Islam zu kennen, wissen wir jedoch, dass gerade Dr. Necla Kelek nicht nur bei den "organisierten Muslimen" sehr umstritten ist, sondern wegen ihrer unwissenschaftlichen Arbeitsweise auch von vielen Wissenschaftlern aus der Migrationsforschung kritisiert wird. Im Jahr 2006 haben sie dies in einem Offenen Brief in der Wochenzeitung DIE ZEIT dokumentiert. Ich will Frau Dr. Kelek nicht unterstellen, dass sie keine "richtige Muslima" sei wie es einige Islamverbände tun, nur weil sie offen Kritik am Islam ausübt. Ich unterstütze hier eher den bekannten Migrationsforscher Werner Schiffauer, der die inhaltlichen Aussagen des Offenen Briefes teilte, ihn aber nicht unterschrieben hatte, weil seiner Meinung nach statt Kelek die deutsche Öffentlichkeit Adressat der Kritik sein sollte: "Nicht Necla Kelek sollte man angreifen, sondern die deutsche Öffentlichkeit, die nur auf so jemanden wie Kelek gewartet hat, der all das bestätigt, was sie schon immer über Muslime gedacht haben." Denn auch der Innenminister schürt die Pauschalverdächtigungen mit seiner Wortwahl, dass alle übrigen "organisierten muslimischen Verbände" den säkularen Staat nicht respektieren würden. Das ist das Signal was auch an die SCHURA gesendet wurde. Für mich stellt sich daher abschließend eher die Frage, wie viel Religion wir überhaupt in unserem Land wollen. Ist die derzeitige Trennung von Staat und Religion die beste Lösung? Denn nur wenn wir hier eine abschließende Position getroffen haben, können wir über die Gleichstellung des Islam sprechen. Alles andere müssen die Muslime unter sich klären.