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21. November 2008

Monatliche Kolumne von Filiz Polat in der IMAJ, November 2008

Faszinierend farbig - Die Türkei als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse

Die 60. Frankfurter Buchmesse war schon ein besonderes Ereignis in diesem Monat. Denn wann ist und wird jemals wieder die Türkei Ehrengast der weltgrößten Buchmesse sein. So schnell zumindest nicht wieder. "Faszinierend farbig" so war und sollte der Auftritt der Türkei in Frankfurt vom Ministerium für Kultur und Tourismus präsentiert werden. Aus meiner Sicht ist das dem Ministerium leider nicht gelungen. Der türkische Pavillon war schlicht und langweilig. Da war sogar der Messestand der Hürriyet noch attraktiver. Die Organisatoren des Gastlandauftrittes zogen natürlich eine positive Bilanz. Viele türkische Schriftsteller hätten das Forum genutzt, sich international ins Gespräch zu bringen.  Das unterschreibe ich sofort. Viele bisher in Deutschland noch nicht bekannte insbesondere junge Autoren konnten sich bei dem vielfältigen Programm präsentieren. Zahlreiche Begleitveranstaltungen in Frankfurt, aber auch beispielsweise in Hannover oder Osnabrück präsentierten junge türkische Autorinnen und Autoren. Der Werbeslogan "Faszinierend farbig" traf zumindest auf die zahlreich und vielfältige Literatur und ihre Autoren und Verlage vollkommen zu.

Spannend waren auch die politischen Diskussionen im Vorfeld und auf der Messe selber. So gab es parallel zu meinem Besuch beim türkischen Pavillon eine Diskussion über Verstrickungen der AKP im Spendenskandal der Stiftung Deniz Feneri, was die Organisatoren sichtlich nervte.

Auch die Eröffnungsfeier und die Rede von Orhan Pamuk zeigten einmal mehr auf, dass die Türkei ihre Vielfalt noch lange nicht anerkenne. Er mahnte an, "dass [...] viele Bücher verboten oder verbrannt wurden, dass Schriftsteller ermordet oder ins Gefängnis gesteckt, als Vaterlandsverräter verschrien, ins Exil geschickt oder von der Presse systematisch niedergemacht wurden, das alles hat die türkische Kultur nicht bereichert, sondern sie ganz im Gegenteil verarmen lassen. Der Hang des türkischen Staates, Bücher zu verbieten und Schriftsteller zu bestrafen, hält leider immer noch an. Aufgrund des Paragraphen 301 des türkischen Strafrechts, mit dem man Schriftsteller wie mich einzuschüchtern versucht, werden Hunderte von Schriftstellern und Journalisten gerichtlich belangt und verurteilt." Trotz dieser direkten Worte zeichnete Pamuk ein optimistisches Bild für die Zukunft der freien Arbeit von Journalisten und Autoren. Selbst Amnesty international (ai) sah in der Präsentation der Türkei einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie. Trotz weiterhin eingeschränkter Meinungsfreiheit hätten die teils hitzigen Debatten auf der Messe dazu beigetragen, Tabus zu brechen, sagte die ai-Türkeiexpertin Amke Dietert.

Türkische Literatur in Deutschland hat mit dieser Messe an Bedeutung dazu gewonnen. Wir sollten gemeinsam diesen Trend aufrecht erhalten. Unsere Aufgabe ist es in Niedersachsen Plattformen zu schaffen, wo wir unsere Türkei in ihrer Vielfalt präsentieren. Wir müssen der deutschen Gesellschaft und vor allem den Kindern und Jugendlichen die gesamte Stärke und Breite der türkischen Kunst und Literatur vermitteln. Nicht nur den Kindern der Einwanderer wohlgemerkt.

Das ist nicht nur die Aufgabe des Staates, sondern auch die Aufgabe von Familien. Jedes Kind sollte in der Schule zumindest auch ein Buch eines türkischen Literaten gelesen haben. Wieso nicht "Memed mein Falke" von Yasar Kemal neben Thomas Manns  "Die Buddenbrooks" im Deutschunterricht.