Monatliche Kolumne von Filiz Polat in der IMAJ, Feburar 2009
Niedersächsische Türken in Deutschland schlecht integriert
Mit der nun veröffentlichten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat die CDU es endlich schwarz auf weiß: Türkische Einwanderer sind deutlich schlechter integriert als andere Zuwanderergruppen. Selbst für die zweite Zuwanderergeneration sieht es düster aus. Die Gruppe der Aussiedler schneidet dagegen bundesweit gut ab; im Superwahljahr 2009 ein gelungener Auftakt für die Bundesregierung. Wird nun wieder das alte Lied gespielt von den gewünschten und unerwünschten Zuwanderern. Von denen, die den Deutschen am nächsten kommen, und denen, die den Deutschen am wenigsten ähneln? Wird nun eine Art Integrationswettbewerb zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eröffnet?
Die Studie ist im Ansatz gut, weil sie versucht die Migranten nicht alle in einen Topf zu werfen, sondern zu verdeutlichen wie wichtig es ist, die Unterschiedlichkeit der einzelnen Bevölkerungsgruppen aufzuzeigen, indem sie deren verschiedene Startchancen beschreibt. So spielen richtigerweise neben dem Einwanderungsgrund auch die sozialen Bedingungen und Chancen eine Rolle für den ökonomischen Erfolg in einer Gesellschaft. Leider macht sie den immer wiederkehrenden Fehler, am Ende der "gelungenen Integration" durch die ethnische Brille zu sehen.
Am Ende sind es eben die Türken, die wegen ihres kulturellen Hintergrundes und rückwärtsgewandten Wertesystems in ihren Kindern den Bildungshunger nicht wecken. Es sind die türkischen Kinder und Jugendlichen, die eine geringere Bildungsmotivation haben müssen als die Kinder und Jugendlichen aus südeuropäischen Ländern. Wie die Studie zu diesem Schluss kommt bleibt unergründlich. Am Ende ist es doch wieder in den Augen der hiesigen Bevölkerung eine Frage des Bewusstseins, der Mentalität, der Kultur. Eine andere Lern- und Bildungskultur sei entscheidend.
Allerdings müsste dann die Politik mit diesem Ergebnis zukünftig die Eltern vom Bosporus in Integrationskurse schicken, bei denen Menschen aus Fernost von ihrem Erfolg in dieser Gesellschaft berichten. Ich will nicht zynisch werden. Denn wir sollten uns nicht den Wettbewerb um den Integrationserfolg zwischen den Migrantengruppen aufzwängen lassen. Es wäre fatal, das Ausspielen der Gruppen von Afrikanern, Aussiedlern und Menschen aus Fernost gegeneinander mitzumachen. Dennoch sollten wir als türkischstämmige Bürger diesen Vorurteilen entschieden entgegentreten und uns auch fragen, warum die Kinder aus Migrantenfamilien insgesamt schlechter abschneiden als die "einheimischen" Kinder? Die Frage sollte man vor allem so beantworten, dass man die Linie des Integrationserfolges nicht entlang der ethnischen Brille zieht, sondern entlang des sozialen Status – so wird dann auch sehr schnell deutlich, dass die Kinder aus Familien, die sozial benachteiligt sind, weniger Erfolg in unserem Bildungssystem haben als andere Kinder. Mit der Trennung bereits nach Ende der Klasse 4 ist der Bildungsweg für das weitere Leben vorprogrammiert. Die Kinder, die etwas Zeit brauchen oder benachteiligt sind, haben wenige Chancen einen anderen Bildungsweg einzuschlagen. Da ist es kein Wunder, dass Niedersachsen besonders schlecht abschneidet. Die niedersächsische Regierung ist Weltmeister im Sortieren, besonders im Aussortieren. Aber das ist ja nichts Neues.
2009-01-28T00:00:00Monatliche Kolumne von Filiz Polat in der IMAJ, Feburar 2009Mit der nun veröffentlichten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat die CDU es endlich schwarz auf weiß: Türkische Einwanderer sind deutlich schlechter integriert als andere Zuwanderergruppen.false445Niedersächsische Türken in Deutschland schlecht integriert
Mit der nun veröffentlichten Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hat die CDU es endlich schwarz auf weiß: Türkische Einwanderer sind deutlich schlechter integriert als andere Zuwanderergruppen. Selbst für die zweite Zuwanderergeneration sieht es düster aus. Die Gruppe der Aussiedler schneidet dagegen bundesweit gut ab; im Superwahljahr 2009 ein gelungener Auftakt für die Bundesregierung. Wird nun wieder das alte Lied gespielt von den gewünschten und unerwünschten Zuwanderern. Von denen, die den Deutschen am nächsten kommen, und denen, die den Deutschen am wenigsten ähneln? Wird nun eine Art Integrationswettbewerb zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eröffnet?
Die Studie ist im Ansatz gut, weil sie versucht die Migranten nicht alle in einen Topf zu werfen, sondern zu verdeutlichen wie wichtig es ist, die Unterschiedlichkeit der einzelnen Bevölkerungsgruppen aufzuzeigen, indem sie deren verschiedene Startchancen beschreibt. So spielen richtigerweise neben dem Einwanderungsgrund auch die sozialen Bedingungen und Chancen eine Rolle für den ökonomischen Erfolg in einer Gesellschaft. Leider macht sie den immer wiederkehrenden Fehler, am Ende der "gelungenen Integration" durch die ethnische Brille zu sehen.
Am Ende sind es eben die Türken, die wegen ihres kulturellen Hintergrundes und rückwärtsgewandten Wertesystems in ihren Kindern den Bildungshunger nicht wecken. Es sind die türkischen Kinder und Jugendlichen, die eine geringere Bildungsmotivation haben müssen als die Kinder und Jugendlichen aus südeuropäischen Ländern. Wie die Studie zu diesem Schluss kommt bleibt unergründlich. Am Ende ist es doch wieder in den Augen der hiesigen Bevölkerung eine Frage des Bewusstseins, der Mentalität, der Kultur. Eine andere Lern- und Bildungskultur sei entscheidend.
Allerdings müsste dann die Politik mit diesem Ergebnis zukünftig die Eltern vom Bosporus in Integrationskurse schicken, bei denen Menschen aus Fernost von ihrem Erfolg in dieser Gesellschaft berichten. Ich will nicht zynisch werden. Denn wir sollten uns nicht den Wettbewerb um den Integrationserfolg zwischen den Migrantengruppen aufzwängen lassen. Es wäre fatal, das Ausspielen der Gruppen von Afrikanern, Aussiedlern und Menschen aus Fernost gegeneinander mitzumachen. Dennoch sollten wir als türkischstämmige Bürger diesen Vorurteilen entschieden entgegentreten und uns auch fragen, warum die Kinder aus Migrantenfamilien insgesamt schlechter abschneiden als die "einheimischen" Kinder? Die Frage sollte man vor allem so beantworten, dass man die Linie des Integrationserfolges nicht entlang der ethnischen Brille zieht, sondern entlang des sozialen Status – so wird dann auch sehr schnell deutlich, dass die Kinder aus Familien, die sozial benachteiligt sind, weniger Erfolg in unserem Bildungssystem haben als andere Kinder. Mit der Trennung bereits nach Ende der Klasse 4 ist der Bildungsweg für das weitere Leben vorprogrammiert. Die Kinder, die etwas Zeit brauchen oder benachteiligt sind, haben wenige Chancen einen anderen Bildungsweg einzuschlagen. Da ist es kein Wunder, dass Niedersachsen besonders schlecht abschneidet. Die niedersächsische Regierung ist Weltmeister im Sortieren, besonders im Aussortieren. Aber das ist ja nichts Neues.