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21. Dezember 2009

Wie auf dem Basar: Glaube statt Sprache!

Monatliche Kolumne von Filiz Polat in der IMAJ, Januar 2010

Seit Antritt dieser Landesregierung wurde der muttersprachliche Unterricht kontinuierlich heruntergefahren. Waren es 2003 noch 5.000 erteilte Lehrerstunden im Bereich Herkunftssprache, sind es am Ende des Jahres 2009 nur noch die Hälfte der erteilten Lehrerstunden. Was ist passiert? Ist etwa die Nachfrage nach dem Erlernen der Muttersprache in der neuen Generation gesunken? Gibt es keine Lehrkräfte mehr, die diesen Unterricht erteilen könnten?

Nichts von alledem. Die Schwarz-Gelbe Mehrheit hat ganz bewusst gehandelt und entschieden. Zum einen wurde gleich zu Beginn des Regierungswechsels ein Einstellungsstopp beschlossen, so dass keine neuen Lehrerinnen und Lehrer nachrücken konnten, wo doch viele der heutigen herkunftssprachlichen Lehrerinnen und Lehrer kurz vor der Rente stehen. Zum anderen wurde politisch das Ziel verfolgt "erst Deutsch lernen und dann die Muttersprache". Tja, und dann war da noch der Modellversuch "islamischer Religionsunterricht" an Grundschulen. Dieses Prestigeprojekt der christdemokratischen Regierung wurde zwar schon durch die Vorgängerregierung vorbereitet, aber nun durch die Schwarz-Gelbe Mehrheit realisiert. Es gab nur ein Problem: Woher sollte man die Lehrerkräfte für diesen Unterricht so schnell hernehmen?

Kein Problem für Ministerpräsident Wulff, der gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte. Man nehme die Lehrer des muttersprachlichen Unterrichts, bilde sie an ein paar Wochenenden zu islamischen Religionslehrern aus und schon hat man einen islamischen Religionsunterricht zum Vorzeigen. Der Nebeneffekt, die Migranten können sich nicht beschweren, denn sie haben ja statt des Muttersprachlichen Unterrichts nun den islamischen Religionsunterricht bekommen. Wie soll man so etwas bitte schön nennen – Erpressung, Frechheit oder einfach nur ein ganz ausgetrickster Basarhandel. Nur das beim Basarhandel der Kunde gefragt wird, ob er mit dem Tausch einverstanden ist. Stattdessen wurde dieser Tauschhandel skrupellos durchgezogen – ohne die Migrantenorganisationen zu hören. Wer soll sich im Übrigen bei so einem Handel auch entscheiden können: Glaube oder Sprache!

Die Landesregierung zeigt in diesem Punkt einmal mehr ihr wahres Gesicht in ihrer Zuwanderungspolitik. Politik auf Augenhöhe kann man das ganz bestimmt nicht nennen. Nur bleibt bei dieser Politik leider das große Potential der Zuwanderkinder auf der Strecke. Eine ganze Generation von Kindern in Niedersachsen, deren Mehrsprachigkeit nicht erkannt und gefördert wird. Für unsere wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit als Exportland mit vielen internationalen Wirtschaftsverflechtungen ein fataler Fehler.

Im Jahr 2010 sollten wir gemeinsam wieder für den Muttersprachlichen Unterricht kämpfen. Denn die vielen griechischen, albanischen, spanischen, portugiesischen, arabischen Eltern und viele mehr teilen dieses Schicksal. Und eines sollte klar sein – der Muttersprachliche Unterricht darf nicht auf Kosten des islamischen Religionsunterrichts eingeführt werden – dieser Tauschhandel ist absolut inakzeptabel.

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