Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Die Diskussion um die Integration von Migranten beginnt seltsame Wege zu gehen. Nach ca. 10 Jahren Erkenntnis Einwanderungsland zu sein, müssen jetzt Erfolge her. Wer ist nun erfolgreich integriert worden und was wird aus denen, die nicht integriert sind? Wer ist gar Vorbild für eine gelungene Integration? Wo sammeln sich die Integrationsunwilligen oder integrationsunfähigen Menschen in Deutschland? Wie soll man erfolgreiche Integration messen? Die Bevölkerung will Ergebnisse sehen! Die Politik will Fakten haben, damit sie passgenaue Programme schneidern kann – für Hauptschüler mit Migrationshintergrund, für Frauen mit Migrationshintergrund, für UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund, für Muslime und und und. Thilo Sarrazin hält das alles für überflüssig. Für ihn gilt: Kopftuch-Frauen, Albaner, Türken und Araber sind nicht integrationswillig. Viele Menschen teilen seine Einschätzung. Andere teilen die Auffassung Sarrazins, sehen aber noch eine Chance darin, die Integration mit Sanktionen zu erzwingen. "Ach", da stöhnen sie die Politiker und fragen sich: "Warum sind die Ausländer nicht alle so wie Mousse T., Mesut Özil oder Nazan Eckes?" Die haben es geschafft! Das sind unsere Vorzeige-Türken – Schön und reich. Und so müssen die Vorzeige-Türken von Veranstaltung zu Veranstaltung tingeln, Integrationspreise verteilen und auf Podien über gute und gelungene Integration lamentieren. Und jeder muss sich fragen lassen, bin ich eigentlich erfolgreich integriert? Ich bin kein berühmter DJ, kein Fußball-Star und auch kein international anerkannter Filmregisseur. Werde ich mich jemals erfolgreich integrieren können, wenn die Messlatte dann doch so hoch gehängt wird? Was will die Gesellschaft mir eigentlich damit sagen? Das meine Eltern der Gastarbeitergeneration aus Ostanatolien sich niemals integrieren werden können und sollen?
Tante Hatice stammt aus Sivas, hat dort die Grundschule besucht, ist nach Hannover in den 60er gekommen, spricht gebrochen deutsch, hat vier Kinder groß gezogen, trägt das Kopftuch und hat ihr Leben lang bei Conti gearbeitet. Tante Hatice wird aber niemals eine Nazan Eckes werden. Für mich ist sie dennoch, ein Beispiel erfolgreicher Integration. Das was sie geleistet hat, kann man gar nicht messen. Das was Tante Hatice für ihre Familie geleistet hat, und dass was sie für Deutschland geleistet hat, dass sollte man dort würdigen. Aber Tante Hatice wird in die Schublade "nicht integriert" gesteckt. Welches Signal wird damit an Kinder und Enkelkinder gegeben? Sollen sie sich für ihre Eltern schämen? Es ist traurig, dass die Integrationsdebatte in Deutschland solche Wege eingeschlagen hat. Es wird Zeit einen neuen Diskurs anzustoßen, der diejenigen in den Mittelpunkt stellt, die sich im Alltag mit allen Schwierigkeiten und Problemen durchkämpfen müssen, die das Leben so bietet. Die Menschen eben, die unsere gesellschaftlichen Realitäten widerspiegeln.