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Islamophobie wird von dem Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer zusammen mit Phänomenen wie Rassismus oder Antisemitismus zum „Syndrom gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ gerechnet. Mit den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 hat diese Furcht oder Feindschaft extrem zugenommen. Interessanterweise spiegeln sich diese drastischen Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft, in den Medien kaum wieder. Fälle von Übergriffen auf muslimische Personen, Anschläge auf Moscheen oder aber der tägliche Rassismus, dem sich immer mehr Immigranten ausgesetzt sehen, werden ignoriert. Die Tötung Marwa El-Sherbinis in Dresden 2009 hat dies erschreckenderweise zu Tage gebracht. Die Medien reagierten erst als der Fall in der Weltpresse zum Thema geworden war. Der Leiter des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung Siegfried Jäger stellte in der Wochenzeitung Die Zeit zudem später fest, dass die Tötung der kopftuchtragenden Ägypterin nicht ein „islamophober Einzelfall, als der er (...) dargestellt wird“, war, sondern sich in eine „Kette fremdenfeindlicher Taten“ eingereiht habe.
Umso erstaunlicher war für mich, dass der Fall von Yasin Çelik auf so großes Interesse in der Presse gestoßen ist, nach dem der Fall von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung aufgegriffen wurde. Der junge Mann wurde vor gut zwei Jahren von seiner damaligen Lehrerin bei der Polizei anonym angezeigt und bezichtigt Kontakt zu einer islamistisch-extremistischen Gruppe zu haben. Das Schreiben traf drei Tage vor dem Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center ein. Ausschlaggebend für die Lehrerin war ein Aufsatz des damals 19-jährigen Schülers, den er drei Monate zuvor verfasst hatte. Die Polizei, die auf Grund des anonymen Schreibens, Ermittlungen aufnehmen musste kam zu dem Schluss, dass Yasin Çelik nichts vorzuwerfen sei. Die Polizei nahm Kontakt zu dem Jungen auf. Schnell wurde klar, dass das Schreiben von seiner Lehrerin stammte. Eine Verleumdungsklage gegen die Lehrerin wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der junge Mann wurde somit nie rehabilitiert. Es gab nie eine offizielle Entschuldigung. Er selber sah sich Anfeindungen von Mitschülern ausgesetzt. Ohne Abschluss ging er von der Schule. Die notwendige politische Aufarbeitung erfolgt nun auch im Interesse des Jungen. Viel Verständnis wird Yasin Çelik aber nicht entgegengebracht. Viel mehr stößt das Handeln der Lehrerin auf Verständnis. Viele Menschen finden sich in der Lehrkraft wieder; wachsam und aufmerksam sollte doch der Bürger sein! So kommentieren nicht wenige die Artikel, die von dem Fall Yasin Çelik erzählen. Im Forum zu einem Artikel über den Fall mit mittlerweile über 400 Kommentaren gibt es aber auch warnende Stimmen. So heisst es in einem Beitrag als Reaktion auf einen Satz eines anderen Beitrages der lautete, 'Lieber einer zu viel verdächtigt als einer zu wenig' wie ich zu Recht finde: "Denkt man diesen Satz konsequent weiter ist man schnell bei Tony Blair, der im Rahmen der Terrorismusbekämpfung mal sinngemäß gesagt hat, dass es besser ist, wenn ein Unschuldiger eingesperrt wird als wenn ein Schuldiger frei rumläuft. Wenn diese Haltung zum Mainstream wird können wir unsere Rechtsordnung begraben."
Die Stimmung in diesem Land ist gespalten; nicht zuletzt durch die Debatte im letzten Jahr und der pauschalen und undifferenzierten Terrorwarnungen in der Öffentlichkeit.