Frauen sind in der deutschen Landwirtschaft unverzichtbar, sie machen gut ein Drittel der Arbeitskräfte aus. Sie übernehmen Arbeiten auf dem Hof, dem Feld, im Büro und kümmern sich zusätzlich oft allein um Haushalt, Kindererziehung und Pflege der Älteren auf dem Hof. Dennoch haben Frauen weiterhin schlechteren Zugang zu Land, Kapital und sind im Falle von Krankheit, Schwangerschaft oder im Alter vielfach unzureichend abgesichert. Nur einer von zehn landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland wird auch auf dem Papier von einer Frau geführt.
„Das muss sich ändern“, findet auch Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Bramsche. Bei einem digitalen Fachgespräch ihrer Fraktion zum Thema Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft diskutierte sie mit Vertreterinnen aus Landwirtschaft, Verbänden und Wissenschaft. Ein zentrales Ergebnis der Veranstaltung: Es mangelt nicht an Lösungsvorschlägen, sondern an deren Umsetzung. „Wir wissen seit Jahren, wo die Hürden liegen. Die Ungleichheiten auf den Höfen sind kein individuelles Problem der Frauen, sondern Ausdruck struktureller Ursachen und Traditionen. Dabei findet in der jungen Generation längst ein Umdenken statt“, erklärt Polat.
Aus Sicht der GRÜNEN-Fraktion ist die Sichtbarkeit, Anerkennung und Leistung der Frauen in der Landwirtschaft enorm wichtig. „Ihre gleichberechtigte Teilhabe ist mitentscheidend, wie zukunftsfähig unsere Landwirtschaft und unsere Gesellschaft aufgestellt sein werden“, resümiert Polat.
Hintergrund der Fachveranstaltung ist das diesjährige UN-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft. Die Vereinte Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ ausgerufen, um die zentrale Rolle von Frauen in der Landwirtschaft weltweit stärker sichtbar zu machen. Ziel der Initiative ist es, auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen und bessere Rahmenbedingungen für Landwirtinnen zu schaffen.
Bereits im März hatte der Bundestag dazu auf Initiative von Bündnis 90/Die Grünen diskutiert. Die GRÜNEN-Fraktion hatte zwei Anträge zur Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft (Bundestags-Drucksache 21/4470) sowie für Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung (Bundestags-Drucksacke 21/4502) in den Bundestag eingebracht. Filiz Polat lädt dazu ein, auch vor Ort in den Regionen in den Austausch zu kommen.