Viel zu häufig ist die Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft unsichtbar. Dabei übernehmen sie vielfältige Aufgaben in den Betrieben und übernehmen meist zusätzlich auch die Care-Arbeit zuhause. Was das für die Gleichstellung in der Landwirtschaft bedeutet und welche Ungleichheiten dringend abgebaut werden müssen, war Thema bei der Diskussionsveranstaltung „Sichtbar, stark und beteiligt – Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft sicherstellen“, die am Mittwoch (26. August) anlässlich des UN International Year of the Woman Farmer (IYWF) 2026 und auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Filiz Polat (Bündnis 90/Die Grünen) in Bohmte Leckermühle stattgefunden hat.
Polat hatte Landrätin Anna Kebschull und die beiden Landwirtinnen Gabriele Mörixmann (Melle) und Cindy Vollmer-Halsband (Paderborn) eingeladen, um über die Situation von Landwirtinnen zu diskutieren. „Von der Arbeit auf dem Feld, über die Tierhaltung, bei der Vermarktung der Erzeugnisse, in der Buchhaltung oder als Leiterin weiterer einkommenswirksamer Betriebszweige – häufig sind Frauen in der Landwirtschaft wesentliche Treiberinnen für Innovation, Modernisierung oder Diversifizierung der Betriebe. Und trotzdem werden neun von zehn landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland weiterhin von Männern geführt. Der Zugang zu Land und Kapital wird für Frauen so begrenzt und Existenzgründungen erschwert“, so Polat.
Gabriele Mörixmann schilderte gleich zu Beginn, wie Frauen oft in die Rolle der "starken Hand im Rücken des Mannes" gedrängt werden. "Das ist mir aber nicht genug Wertschätzung. Echte Wertschätzung zeigt sich am Ende eben auch im eigenen Gehalt, im eigenen Vermögensaufbau und in den eigenen Rentenansprüchen ", so Mörixmann. Sie und ihr Mann haben daher sofort zu Anfang der Ehe sowohl eigene Betriebe als auch eine gemeinsame GbR gegründet, um nicht in Abhängigkeiten zu rutschen und um Potenziale, die aus den unterschiedlichen Perspektiven von Mann und Frau vorhanden sind, sowohl betrieblich als auch familiär effektiv zu nutzen.
Cindy Vollmer-Halsband, Jung-Landwirtin aus Paderborn, konnte von ähnlichen Erfahrungen berichten: „Wenn ich Unternehmensvertreter auf meinem Hof begrüße, gibt es netten Small Talk. Wenn es dann aber ums Geschäft geht, soll ich den Betriebsleiter holen. Dabei bin ich das. Das können sich viele immer noch nicht vorstellen.“
Für Anna Kebschull war die Veranstaltung ein wichtiger Austausch: „Unsere Landwirtschaft profitiert von unseren innovativen Frauen. Im Miteinander auf Augenhöhe erhöhen wir Chancen für nächste Entwicklungsmöglichkeiten. Der offene Austausch über Erfahrungen zu starren Rollenbildern hat viel Spaß gemacht und gezeigt, dass Vernetzen, Aufklären, Information bündeln und Lösungen aufzeigen schon sehr wichtige erste Schritte sind.“
Für Gastgeberin Filiz Polat steht fest, dass Deutschland mehr Anerkennung von Frauen in der Landwirtschaft braucht. „Entscheidend dabei ist eine Vernetzung von Frauen, die Betriebe führen sowie gezielte Unterstützung beim Aufbau eines eigenen Betriebes. Denn wir müssen die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen stärken, insbesondere mit Blick auf die Absicherung im Alter und in Fällen von Trennung und Scheidung.“ Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte bereits im März 2026 den Antrag „Sichtbar, stark und beteiligt – Gleichstellung von Frauen in der Landwirtschaft sicherstellen“ in den Bundestag eingebracht.