Gedenken an Lorenz A. Polat: Ein Jahr nach tödlichen Schüssen bleiben viele Fragen ungeklärt

In der Nacht zum 20. April 2025 wurde der Oldenburger Lorenz A. durch Schüsse eines Polizisten verletzt und erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus. Noch immer ist unklar, wie genau es zu der tödlichen Eskalation kam. Dazu erklärt Filiz Polat, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen aus Bramsche:

„Der Fall muss lückenlos aufgeklärt werden. Es braucht Transparenz über alle Ermittlungsgrundlagen.

Doch die juristische Aufarbeitung allein reicht nicht. Wir brauchen unabhängige Ermittlungsbehörden. Dazu gehört eine Zentralstelle für Ermittlungen gegen Polizist*innen beim Landeskriminalamt in Niedersachsen. Wenn Polizist*innen aus derselben Polizeidirektion gegen Kolleg*innen ermitteln, kann Befangenheit nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Nur unabhängige Stellen schaffen das notwendige Vertrauen, dass Vorwürfe transparent, objektiv und ohne institutionelle Rücksichtnahme untersucht werden. Rechtsstaatlichkeit bedeutet nicht nur, Fehlverhalten zu ahnden, sondern auch, Strukturen zu schaffen, die eine glaubwürdige Kontrolle ermöglichen und das Vertrauen der Öffentlichkeit langfristig stärken.

Was Lorenz geschah, ist kein Einzelfall. Darum brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte, eine ehrliche Auseinandersetzung mit institutionellem Rassismus in Deutschland. Dazu zählt auch eine rassismuskritische Ausbildung bei der Polizei.

Lorenz war erst 21 Jahre alt. Sein Tod darf nicht folgenlos bleiben. Das schulden wir ihm, seiner Familie und seinen Freund*innen.“

Polat ruft dazu auf, am 19. April an der Demonstration der Initiative „Gerechtigkeit für Lorenz“ am Pferdemarkt in Oldenburg teilzunehmen. „Alle Menschen in diesem Land verdienen es, sicher zu sein. Das ist elementare Aufgabe unseres Rechtsstaates.

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